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Mehr Sein als Schein am „Tag des offenen Denkmals“

Großes Interesse an Führung zu Kriegsgräberstätten auf dem Essener Parkfriedhof

Essen. Größer als von den Organisatoren erwartet, war das Interesse an der Führung über den Essener Parkfriedhof, die die Landesgeschäftsstelle Essen am „Tag des offenen Denkmals“, am 12. September 2021, angeboten hatte. Neben den 20 angemeldeten Gästen konnten Bildungsreferentin Kinga Kazmierczak und Landesgeschäftsführer Stefan Schmidt mehr als 30 weitere spontane Besucherinnen und Besucher begrüßen. Sie waren durch die Zeitungsberichterstattung auf das Angebot aufmerksam geworden. Kurzerhand wurde die Gruppe geteilt und zwei parallele Rundgänge durchgeführt. Die Besucherinnen und Besucher dankten es mit vielen Fragen und auch dem einen oder anderen lobenden Wort.

„Sein & Schein“ lautete das Motto des diesjährigen „Tages des offenen Denkmals“. Dass es sich bei den Kriegsgräbern um wahrhaftige Gräber (also „Sein“) und nicht um bloße Kulisse (also „Schein“) handelt, wurde dem einen oder anderen Besucher erst während der Führung klar. Der Rundgang führte zu allen vier, zum Teil recht versteckt liegenden Kriegsgräberstätten, und  nahm auch auf den benachbarten jüdischen Friedhof Bezug. Thematisiert wurden, ergänzt um Biographien einzelner Kriegstoter, die jeweils unterschiedlichen Lebens- und Todesumstände. 

Auf dem Parkfriedhof ruhen mehr als 2.000 Kriegstote des Zweiten Weltkrieges. Er ist einer von 39 Essener Friedhöfen, auf denen insgesamt mehr als 9.400 Tote beider Weltkriege bestattet sind. Die auf dem Parkfriedhof bestatteten Menschen sind auf sehr unterschiedliche Weise ums Leben gekommen: durch Fliegerbomben, an den Folgen der Zwangsarbeit oder als Verfolgte des NS-Regimes in Konzentrationslagern, darunter auch in Buchenwald.

Die Informationen entstammten zum Teil dem Forschungs- und Bildungsprojekt „Wenn nur noch Steine bleiben“, das der Essener Historiker Thomas Hamacher mit Unterstützung des Volksbundes ins Leben gerufen hat, zum Teil aus Recherchen der Historikerinnen Kinga Kazmierczak und Jana Moers (ebenfalls Mitarbeiterin des Volkbundes). Obwohl der Volksbund für Kriegsgräber im Inland nicht eigentlich zuständig ist, kam dessen Arbeit während des Rundganges wiederholt zur Sprache. Viele Gäste zeigten sich positiv überrascht darüber, dass der Volksbund heute noch Tote des Zweiten Weltkrieges sucht, findet, bestattet und identifiziert. 

Fazit der Organisatoren: Ein gelungenes Angebot, das nach Wiederholung ruft. Ein weiterer Rundgang findet deshalb am Donnerstag, dem 28.10.2021, statt. Um Anmeldung wird gebeten unter nrw@volksbund.de oder 0201/ 84 23 70.


Stefan Schmidt
 

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