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Mit Eimer und Bürste gegen das Vergessen

80 Jahre Überfall auf die Sowjetunion: Volksbund-Nachwuchs leistet mit Pflegeeinsätzen Beitrag zum Gedenken

„Mein Uropa Christian war beim Russlandfeldzug dabei. Abgesehen von solchen persönlichen Aspekten finde ich es generell wichtig, an diesen Teil der deutschen Geschichte zu erinnern.“ Katharina Eckstein hat eine Wurzelbürste in der Hand. Moos und Vogeldreck verschwinden an diesem Tag von den Steinen auf dem Parkfriedhof Essen-Steele. Dasselbe gilt für Unkraut und Zweige, die den Blick auf Grabsteine verdecken. So wie hier haben Jugendarbeitskreise (JAK), die zur Nachwuchsorganisation des Volksbundes gehören, an mehreren Orten zu Pflegeeinsätzen aufgerufen.

Anlass ist der 80. Jahrestag des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion. In Essen, Weimar und Schwerin folgten Jugendliche und junge Erwachsene dem Aufruf.
 

Weimar: Generationen im Gespräch

Vom Arbeitseinsatz auf dem Sowjetischen Ehrenfriedhof beim Schloss Belvedere in Weimar berichtet die Thüringer JAK-Vorsitzende Leonie Thenent:
Wir haben Grabsteine mit Wasser und Seife geputzt sowie Flechten und Moos entfernt. Dabei wurden die Jugendlichen tatkräftig von Angehörigen der Reservistenkameradschaften Tonndorf und Weimar unterstützt. Teilweise haben die Reservisten zu DDR-Zeiten in der Nationalen Volksarmee gedient und es ergaben sich Gespräche, die die verschiedenen Generationen zusammenführten. 

Werner Dehne, der sich sehr im Reservistenverband Tonndorf engagiert, erzählte, wie er die Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 hautnah miterlebte. „Ich möchte – gerade was dieses Thema angeht – ein Vorbild für die Jugend sein. Jung und Alt sollten viel öfter zusammenarbeiten“, sagte der 73-Jährige, während er die kyrillischen Inschriften auf einem Grabstein von Schmutz befreite.

 

„Das verbindet uns alle“

Auch Lissy Liebeskind schätzte die Begegnung an diesem Tag sehr. Sie ist seit Mai Beisitzende im Vorstand des JAK Thüringen. Für die 20-Jährige war es der erste richtige Arbeitseinsatz, bei dem sie nicht nur einiges über das Friedhofsgelände, sondern auch zum Überfall auf die Sowjetunion und die Folgen erfuhr. „Heute kamen hier Schülerinnen, Studierende, Reservisten zusammen – das verbindet uns alle.“ 

Das Areal auf dem Schlossgelände, bis 1945 ein kaum genutzter Friedhof für Nationalsozialisten, war im April 1946 auf Befehl der sowjetischen Militäradministration in einen sowjetischen Ehrenfriedhof umgewidmet worden. Die alten Eichen erinnern noch vage an ein nationalsozialistisches Relikt. Soldaten der Roten Armee, die unmittelbar nach dem Krieg starben, aber auch Zivilsten – darunter Kinder – sind hier begraben. Insgesamt sind es 2.027 Menschen, die seit 1946 dort bestattet wurden.
 

„Kooperation ist ausbaufähig“

Im Weimarer Ilmpark befindet sich ein weiterer sowjetischer Ehrenfriedhof. Auch hier war Raum für Diskussionen zur Geschichte, aber auch zu Möglichkeiten des ehrenamtlichen Engagements und zur Pflege von Kriegsgräberstätten allgemein. Oberstleutnant d.R. Mathias Werner besuchte als Vorsitzender der Thüringer Landesgruppe der Reservisten den JAK bei seinem Pflegeeinsatz. Die Kooperation mit dem Volksbund sei mit Blick auf die Pflege der Kriegsgräberstätten sehr wichtig, aber auch noch ausbaufähig, sagte er. 
 

Essen: Zeichen der Versöhnung

Imke Scholle, JAK-Vorsitzende Nordrhein-Westfalen, berichtet vom Pflegeeinsatz auf dem Parkfriedhof in Essen-Steele:
Auch in Essen gab es viele sowjetische Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene. Sie starben an Krankheiten oder Entkräftung. Viele kamen bei Bombenangriffen um, da ihnen der Zutritt zu den Luftschutzbunkern verwehrt wurde.

Beigesetzt wurden die Kriegsgefangenen, Zwangsarbeiter und zum Teil auch ihre Kinder auf dem Parkfriedhof. Etwa ein Drittel der Toten wurde als „unbekannt“ bestattet. Wir wollten mit unserem Pflegeeinsatz ein Zeichen des Friedens und der Versöhnung setzen. 

Mit Wurzelbürsten und Wasser haben wir die Steine von Moos und Vogeldreck befreit und Unkraut und Zweige entfernt, die den Blick auf die Steine verdeckten. Katharina Eckstein hat von ihrem Uropa berichtet. Aber auch denen, die keinen persönlichen Bezug haben, war es wichtig, dieses Zeichen zu setzen.

Schwerin: Arbeit bei 30 Grad im Schatten

Dominic Lagoski, JAK-Vorsitzender Mecklenburg-Vorpommern, berichtet aus Schwerin:
Auf dem Friedhof der Opfer des Faschismus beteiligten sich trotz Temperaturen von 30 Grad im Schatten sechs JAK-Mitglieder aus Mecklenburg-Vorpommern. Schwerpunkt war der Zentrale Teil des Friedhofes um die Statue „Kämpfer der Roten Armee“.  Wir haben Unkraut entfernt, Hecken geschnitten und die Anlage auch von Abfällen befreit.

Beim Pflegen der Einzelgräber von Verfolgten des Naziregimes wurde uns wieder einmal bewusst, wie wichtig Erinnerungsarbeit ist. Gerade wenn die hier bestatten Menschen noch sehr jung waren, als sie gestorben sind, bringt uns das zum Nachdenken. 80 Jahre nach dem Überfall auf die Sowjetunion wirkt das, was auf den 22. Juni 1941 folgte, noch nach. Einige Gräber werden bis heute von Angehörigen gepflegt und regelmäßig bepflanzt.

Sechsfacher Einsatz in Ravensburg

Rund um den Jahrestag des Überfalls herum gab es auch über die JAK-Aktion hinaus Pflegeeinsätze. In Ravensburg setzte der Landesverband Baden-Württemberg gemeinsam mit einem Bildungspartner ein Zeichen, um die Erinnerung an sowjetische Kriegsopfer in Deutschland wachzuhalten: Am 22. Juni pflegte die Gruppe Gräber von Zwangsarbeiterinnen und -arbeitern, von denen viele nicht älter geworden sind, als die Auszubildenden, die die Grabstellen säuberten. Seit Juni gab es sechs Arbeitseinsätze. Weitere sind für Juli und September geplant.

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