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Schicksal geklärt dank Kochgeschirr

Umbetter entdecken Feldgrab auf der estländischen Insel Saaremmaa

Die Senke ist klein und nur mit gut geschultem Auge zu erkennen. Und die Zeitspanne ist kurz: Wenn der Schnee geschmolzen ist, die Vegetation aber noch schläft auf der estnischen Insel Saaremmaa, besteht die Chance zu überraschenden Funden wie diesem: Ein Kriegstoter wird geborgen und identifiziert – dank seines Kochgeschirrs.


Es sind dies die beinahe unmerklichen Zeichen für Verdachtsstellen, direkt an den alten Stellungen des Zweiten Weltkrieges, die Andris Tamleht und Tanel Nuut in diesem Frühjahr nahe des Dorfes Kaimri entdecken. Nur wenige Zentimeter tief liegen die sterblichen Überreste eines Toten unter Erde und Humus – schnell verscharrt und für Jahrzehnte dem Vergessen preisgegeben. Doch die beiden Umbetter finden noch mehr.

Die Familienväter, die der Volksbund auf der Insel ausgebildet hat, arbeiten seit vielen Jahren als Honorarkräfte. Dank ihrer Ortskenntnis und ihrer guten Verbindungen gelingt es immer wieder – auch unerwartet – Schicksale aufzuklären. Jetzt finden sie Uniformknöpfe der deutschen Marine und ein Kochgeschirr. Der Soldat war noch jung, sein Grab ist ungeplündert. Die Erkennungsmarke aber fehlt. Die Chance, seine Identität zu klären, geht damit gegen Null.
 

Vor 25 Jahren vergeblich gesucht

Doch als das Kochgeschirr gereinigt wird, taucht ein Schriftzug auf – der Name. Von dem Obergefreiten der Marine war nur bekannt, dass er vermutlich nach dem 22. Oktober 1944 bei Sworbe, an der Südspitze der Insel, gestorben war. Am „Flaschenhals“ dorthin liegt Kaimri, heute ein Dorf mit sieben Einwohnern. Ende 1944 hatte der Krieg diesen Ort erreicht.

Bereits 1995 hatten die Umbetter nach dem Grab gesucht. Unter den Kriegstoten, die sie in Kaimri fanden, war der Obergefreite nicht. Darum galt er beim Volksbund fortan als nicht gefunden oder nicht zu bergen – eines von vielen vergleichbaren Schicksalen.

Andris Tamleht und Tanel Nuut bringen die sterblichen Überreste in das Gebeinlager des Volksbundes und warten jetzt auf einen Experten aus Kassel. Gemeinsam nehmen sie dann die Gebeine auf und prüfen, ob Alter, Verletzung und alles, was sonst bekannt ist, zu den sterblichen Überresten passt. Wenn auch diese Analyse die Identität bestätigt, wird der Tote bei Arensburg zur letzten Ruhe eingebettet. Er wird der 626. Bestattete auf der deutschen Kriegsgräberstätte Kuressaare sein.
 

Mauer umschließt beide Anlagen

In der Inselhauptstadt liegt die deutsche Kriegsgräberstätte direkt neben einer sowjetischen Anlage. Beide Soldatenfriedhöfe werden von einer Mauer umschlossen und sind nur symbolisch voneinander getrennt.

Zur Hansezeit benötigten die Schiffe aus Tallinn (deutsch: Reval) einen Tag und eine Nacht, um zur Insel Saaremmaa zu gelangen. Das soll der Grund für den alten deutschen Namen „Ösel“ sein, was so viel wie „Nacht“ bedeutet. Saaremmaa (übersetzt: „Inselland“) ist heute das Ziel vieler Urlauber.

Wegen ihrer Lage nicht weit vom Festland entfernt, war die Insel in beiden Weltkriegen Ort schwerer Schlachten. Heute bezeugen das alte Festungswerke, liebevoll eingerichtete Museen, Denkmäler und Soldatenfriedhöfe.
 

Schwierige Suche nach Feldgräbern

Die Volksbund-Umbetter leisten hier anspruchsvolle Arbeit, denn auf der Insel existieren viele einzelne Feldgräber, die in der Wachholderheide und den Kiefernwäldern nur schwer zu finden sind. Viele Gehöfte sind durch Krieg und sozialistische Umsiedlungen verfallen, die Zeitzeugen von damals dadurch weit verstreut. Doch die Arbeit lohnt sich, wie der aktuelle Fund zeigt. Ein weiterer Soldat gilt nicht länger als vermisst. Seine Angehörigen erhalten nach 76 Jahren Gewissheit.

 

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