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Tausende suchen noch immer die Gräber der Großväter

Gastbeitrag von Generalmajor Kudinskij anläßlich des Jahrestages des Angriffs auf die Sowjetunion

 

Wie sieht Gedenken in Russland heute aus? Welche Rolle spielt der „Große Vaterländische Krieg“ am 80. Jahrestag des deutschen Angriffs auf die Sowjetunion? Darüber schreibt in einem Gastbeitrag für den Volksbund Generalmajor Walerij Bronislawowitsch Kudinskij, Leiter der Verwaltung des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation zur „Wahrung des Andenkens an die gefallenen Vaterlandsverteidiger“.

Am 22. Juni jährt sich der achtzigste Jahrestag des Überfalls Hitlerdeutschlands auf unsere Heimat. Mit diesem denkwürdigen Datum ist eine bedeutende geschichtliche Erfahrung unseres Volkes verbunden: die Fähigkeiten zur Verteidigung, zur Konsolidierung und zur Wahrung der Unabhängigkeit.

Der „Große Vaterländische Krieg“ ist in der Geschichte, in der Erinnerung und im Gedenken unseres Volkes einzigartig. Es gibt keine Familie, die davon nicht betroffen wurde. Jeden Monat kommen bei uns in der Verwaltung hunderte Briefe an. In diesen Briefen bitten uns die Menschen, das Grab des Großvaters oder Urgroßvaters oder anderer Verwandter zu finden.

Millionen unserer Landsleute (insgesamt: 26,6 Millionen) sind während dieses schrecklichsten Krieges der gesamten Menschheitsgeschichte ums Leben gekommen. In ihrer Mehrzahl waren die Kriegsopfer Zivilpersonen. Die Totalverluste der Roten Armee betrugen unseren Untersuchungen nach 8 668 400 Personen. Die Führung der Sowjetunion hat zwischen 1940 und 1946 in 18 Erlassen die Bestattung von gefallenen Soldaten, die jeweiligen Markierungen ihrer Grablagen und entsprechende Benachrichtigungen der Angehörigen angeordnet. Dennoch sind viele gefallene Soldaten als „Unbekannte“ beerdigt worden.

Der Frage des Gedenkens an die gefallenen Soldaten, der Ermittlung und Wahrung ihrer Namen und Grablagenstandorte, der Pflege von Kriegsgräberstätten, ist daher immense Wichtigkeit beizumessen.

Zurzeit sind sowjetische Kriegsgräberstätten in 56 ausländischen Staaten vorhanden. Nach Angaben der zentralen Erfassungsstelle befinden sich im Ausland mehr als 12.000 Grablagen aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg. Davon auf dem Territorium der Nachfolgestaaten der Sowjetunion – etwa 6.400 Grablagen, in anderen Ländern des Auslands – rund 5.700 Grablagen.

Seit 1991 sind  Abkommen mit Japan, Finnland, der Bundesrepublik Deutschland, Italien, Polen, Ungarn, der Slowakischen Republik, der Tschechischen Republik, der Mongolei, Rumänien, Vietnam, der Volksrepublik China, Lettland, der Türkei, Serbien und Slowenien abgeschlossen worden.

Die Ziele der abgeschlossenen Regierungsabkommen: die Sicherung der Unversehrtheit und des würdigen Unterhalts der im Ausland befindlichen sowjetischen Kriegsgräberstätten zu gewährleisten. Auch ist die Sicherung der Unversehrtheit und des würdigen Unterhalts von in der Russischen Föderation befindlichen ausländischen Kriegsgräberstätten wie auch deren Pflege zu sichern. Des Weiteren hat der Bau neuer Friedhöfe für gefallene Vaterlandsverteidiger, die Errichtung von Gedenkzeichen auf Kriegsgräberstätten, die Ermittlung und Erforschung von Schicksalen gefallener Soldaten wie auch von Standorten ihrer Grablagen zu erfolgen.

Auch sollten die neuen digitalen Technologien, die heutzutage der Arbeit zur Verewigung des Gedenkens dienlich sind, nicht unerwähnt bleiben. Beginnend ab dem Jahr 2007 funktioniert das öffentlich zugängliche und einzigartige Internetportal „Vereinigte Datenbank 'Memorial'“ (rus. «Объединенная база данных «Мемориал»). Zurzeit ist besagtes Internetportal in das staatliche Informationssystem „Gedenken des Volkes“ (rus. «Память народа») umgewandelt worden. Dieses Informationssystem beinhaltet alle zum heutigen Tag digitalisierten Archivdokumente zu Verlusten, Auszeichnungen, Heldentaten, militärischen Operationen. Besagtes Informationssystem erlaubt den Bürgern, von zu Hause aus nach ihren Angehörigen zu suchen. Die Statistik zeigt, dass Bürger von 191 Staaten unserer Welt dieses Internetportal nutzen.  

Die Regierung der Bundesrepublik Deutschland hat die Verpflichtung übernommen, den Unterhalt und die Einrichtung von sich auf dem Territorium Deutschlands befindlichen sowjetischen Kriegsgräberstätten zu finanzieren. Eine wichtige Rolle kommt dabei dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge zu. In Hermann Krause, dem Leiter der Moskauer Vertretung und Frau Dr. Heike Winkel, Koordinatorin des Projektes „Sowjetische und deutsche Kriegsgefangene und Internierte“ haben wir zuverlässige Kollegen und Partner gefunden. Dieses wichtige gemeinsame deutsch-russische Projekt wirft ein Schlaglicht auf ein  früher verbotenes Thema. So gelingt es uns gemeinsam, eine Vielzahl von Namen zu finden und bisher unbekannte Schicksale aufzuklären.

 

Generalmajor Walerij Bronislawowitsch Kudinskij,
Leiter der Verwaltung des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation zur „Wahrung des Andenkens an die gefallenen Vaterlandsverteidiger“

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