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Workcamp-Premiere: „Roter Mohn am Monte Cassino“

Deutsch-polnische Jugendbegegnung an den Schauplätzen der Schlacht südlich von Rom 1944

„Monte Cassino“ ist in Polen jedem Schulkind ein Begriff – so groß ist die Bedeutung der Schlacht um diesen Berg 1944 für die nationale Geschichtsschreibung. Jetzt ist ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung gegangen: ein deutsch-polnisches Workcamp an den damaligen Schauplätzen unter dem Titel „Roter Mohn am Monte Cassino“. Es endete mit einer Gedenkveranstaltung, bei der auch die Botschaften der beiden Länder vertreten waren.

 

Fast alle Städte, Dörfer und Gemeinden in Polen haben eine „Monte Cassino“-Straße. „Roter Mohn am Monte Cassino“ heißt auch ein Lied, das jedes Schulkind dort kennt. Im Vordergrund steht der Einsatz der polnischen Exilarmee, die 1944 auf Seiten der Alliierten in der Schlacht um den Monte Cassino kämpfte – eine der größten im Zweiten Weltkrieg, in der etwa 75.000 Soldaten verwundet wurden oder starben. Sie stammten unter anderem aus Deutschland, Polen, Italien, den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Frankreich.

In der Region entstanden etliche Soldatenfriedhöfe, Denkmäler und Museen der beteiligten Nationen – eine Vielzahl, die in Europa (neben der Normandie-Region) fast schon einmalig ist. Auf der deutschen Kriegsgräberstätte eröffnete der Volksbund im Mai eine interaktive Ausstellung nach modernem Konzept.
 

Drei Ziele bestimmten Konzept

Vor diesem Hintergrund plante der Volksbund das erste deutsch-polnische Workcamp an diesem historisch so bedeutsamen Ort. 19 Jugendliche nahmen die Einladung an: zehn aus Polen und neun aus Deutschland – wegen einer Kooperation mit dem Landesverband kamen die meisten von ihnen aus Niedersachsen. Das Projekt verfolgte drei Ziele: Zum einen sollten die Jugendlichen miteinander aus der besonderen Geschichte der Gegend lernen. Dazu besuchten sie den deutschen und den polnischen Friedhof sowie Ausstellungen, Museen und Denkmäler und informierten sich über die Schicksale Gefallener beider Seiten.

Zweitens regte diese Vielfalt an Schauplätzen dazu an, voneinander zu lernen: Die Jugendlichen diskutierten durchaus kontrovers, welche Bedeutung die Erinnerung an diese Schlacht in ihren Ländern spielt und welche Lehren daraus gezogen werden können.
 

Diskussion über Liedtext

Ein Beispiel ist der Liedtext von „Roter Mohn“, der stellenweise kriegsverherrlichend klingt. Wichtig ist dabei der Kontext, in dem das Lied entstand und später gesungen wurde. Geschrieben hatten den Text Soldaten während der Schlacht. Unter kommunistischer Herrschaft wurde das Lied zum Symbol für ein freies Polen. Auch darüber entstand ein intensiver, ebenso kritischer wie sachlicher und lehrreicher Austausch über Geschichte und Erinnerung an authentischem Ort – gerade das machte diese Begegnung so besonders.

Dieses Workcamp war auch als symbolische Geste gemeint, womit das dritte Ziel genannt ist. Jugendliche, deren Großeltern sich an diesem Ort als Feinde gegenübergestanden haben könnten, pflegten gemeinsam deutsche Kriegsgräber sowie ein polnisches Denkmal. Die „alte“ Workcamp-Formel mit Verständigung, gemeinsamem Lernen und Pflegearbeiten erwies sich erneut als effektiv und angemessen – gerade an diesem so symbolträchtigen Ort.
 

Was Frieden heute bedeutet

Bei der Gedenkveranstaltung zum Abschluss auf dem polnischen Friedhof sprachen die Jugendlichen über das Projekt, ihre Erfahrungen als Gruppe und die Bedeutung von Frieden gerade in der heutigen Zeit. Dass Vertreter der polnischen und der deutschen Botschaft zu ihren Zuhörern zählten, zeigt den Stellenwert, den diese Premiere in beiden Ländern hatte.

Oberst Olaf Janssen, Militärattaché der deutschen Botschaft, rief die Jugendlichen zu Weltoffenheit und differenzierten Haltungen auf. Der Vertreter der polnischen Botschaft, Szymon Wojtaszyk, überbrachte Grüße der Botschafterin Anna Maria Anders. Sie ist die Tochter des Generals, der die polnische Armee 1944 in die Schlacht am Monte Cassino führte.
 

Neuauflage im kommenden Jahr

Das Workcamp ist zu Ende, alle Teilnehmenden sind wohlbehalten zu Hause angekommen. Für die Zukunft bleiben unzählige Erinnerungen und tiefe Eindrücke, neue Freundschaften – sogar ein deutsch-polnisches Pärchen hat sich gefunden – und der Plan des Leitungsteams steht, das Projekt nächstes Jahr zu wiederholen.

Text: Vinzenz Kratzer
Kontakt
 

Mehr zur neuen Ausstellung auf der deutschen Kriegsgräberstätte und ihre Eröffnung im Mai 2022 lesen Sie hier:
Lebendig erzählte Geschichte rund um den Monte Cassino
 

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