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„Zurückgeben, was ich bekommen habe“

Zum 75. Geburtstag von Volksbund-Präsident Wolfgang Schneiderhan: Porträt in der „Schwäbischen Zeitung“

In Oberschwaben ist der Volksbund-Präsident zu Hause und darum kommt es nicht von ungefähr, dass die „Schwäbische Zeitung“ ihm auf besondere Weise zum 75. Geburtstag gratuliert – mit einem ausführlichen Porträt. Redakteur Ludger Möllers hat mit Wolfgang Schneiderhan gesprochen und zeichnet seinen beruflichen Werdegang in der Ausgabe vom 26. Juli 2021 nach. Damit setzen wir unsere Reihe „Fremde Federn“ fort:

Die Erinnerungskultur an die Kriegsopfer pflegen, wachhalten und für die kommenden Generationen entwickeln: Im Gespräch mit Wolfgang Schneiderhan, dem ehemaligen Generalinspekteur der Bundeswehr und heutigen Präsidenten des Volksbunds Deutscher Kriegsgräberfürsorge, fällt kein Begriff so häufig wie dieser: „Wir müssen die Erinnerungskultur zeitgemäß gestalten“, betont Schneiderhan. Der gebürtige Oberschwabe feiert am Montag seinen 75. Geburtstag. Und freut sich vor allem auf das Wiedersehen mit seinen sieben Enkeln – dieses Wort fällt ebenso häufig: „Die Kinder sind zwischen fünf und 15 Jahren alt – da ist Leben in der Bude.“

Als der damals 19-jährige Abiturient Wolfgang Schneiderhan am 4. April 1966 in der Rommel-Kaserne in Dornstadt (Alb-Donau-Kreis) seinen Dienst in einer Ausbildungskompanie antritt, hat er noch einen prägenden Satz seines Geschichtslehrers im Ohr: „Die Bundeswehr hat den Auftrag, den Rückzug aus der Geschichte der Kriege militärisch abzusichern.“

Im Kalten Krieg entscheidet sich Schneiderhan für die Panzertruppe. Er bringt es bis zum Generalinspekteur und damit ranghöchsten Soldaten der Bundeswehr. Er versteht sich als Diener des Staates und dient unter vier Verteidigungsministern – was als Beweis für seine Loyalität gelten darf. Schneiderhan gilt als warmherzig und nahbar sowohl für Generale als auch Rekruten. Mit einem mächtigen Befehlshaber hat er nichts gemein. Selbst Kritiker halten ihm Geradlinigkeit zugute.
 

In Erfurt nach der Wende

Diese Eigenschaft benötigt Schneiderhan, als nach der Wende die Nationale Volksarmee der DDR aufgelöst werden muss. Nur wenige NVA-Soldaten werden in die Bundeswehr übernommen. Als Brigadekommandeur in Erfurt beweist er Fingerspitzengefühl im Umgang mit Soldaten aus Ost und West.

Den Umbau der Bundeswehr zu einer Armee im Einsatz gestaltet er maßgeblich mit. Doch dann verhindern die Einsätze im Kosovo und dann in Afghanistan den „Rückzug aus der Geschichte der Kriege“.

Schneiderhans Abschied ist bitter: Der Vier-Sterne-General muss 2009 als Konsequenz aus angeblichen Informationspannen nach dem Angriff seinen Stuhl räumen. Nach einem verheerenden, von einem Bundeswehr-Oberst befohlenen Luftangriff auf zwei Tanklaster bei Kundus in Nordafghanistan hatte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) seinem Spitzenmilitär vorgeworfen, ihm Informationen verheimlicht zu haben. Die Entlastung des Ministers nimmt Schneiderhan im März 2010 „mit Erleichterung“ zur Kenntnis.
 

Einstieg in tiefer Krise

Als 2016 der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge in eine tiefe Krise gerät, übernimmt Schneiderhan das Ehrenamt. Der Volksbund kümmert sich mit 250 hauptamtlichen Mitarbeitern im Auftrag der Bundesregierung um die Gräber der deutschen Kriegstoten im Ausland und pflegt derzeit 833 Kriegsgräberstätten mit 2,7 Millionen Toten in 46 Staaten. Aus einer Übergangsphase werden zunächst vier weitere Jahre.

Im Herbst dieses Jahres stehen Neuwahlen an, dann will Schneiderhan erneut für vier Jahre antreten: „Ich kann jetzt zurückgeben, was ich in 44 Dienstjahren bekommen habe“, begründet er. Es gehe jetzt darum, „langfristig eine neue Strategie für die Erinnerungskultur“ zu entwickeln. Die persönliche Erinnerung verblasse, aber beispielsweise Jugendarbeit und Jugendbegegnung seien wirksame Instrumente.
 

Ehrenamt, das vielfach fordert

Der Volksbund habe es sich weiter zur Aufgabe gemacht, nicht nur der Toten des Ersten und Zweiten Weltkrieges zu gedenken, sondern auch derer, die in der jüngeren Vergangenheit in internationalen Einsätzen gefallen sind. Dass zu diesen Toten der aus Schneiderhans Heimatstadt Bad Saulgau stammende Hauptgefreite Sergej Motz gehört, der am 29. April 2009 als erster deutscher Soldat nach dem Zweiten Weltkrieg in Afghanistan im Gefecht getötet worden war, begreift der Volksbund-Präsident als persönliche Stärkung des Auftrags.

In den kommenden Jahren werde das Ehrenamt, im Volksbund, an der Spitze der Stauffenberg-Gesellschaft, in der Militärseelsorge oder im Verwaltungsrat der Bundeswehr-Universität München ihn fordern, blickt Schneiderhan voraus: „Aber mich zieht es immer wieder nach Oberschwaben, in die Fasnet oder zu einer Genussradtour rund um den Bussen.“ 

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