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Aktion Friedensbänder erinnert an Kriegsgefangene
Volkstrauertag mal anders: Dortmunder Projekt band Kirchentag, Schule und Jugendarbeit ein
05. Oktober 2020

5.095 weiße Bänder wehten beim Volkstrauertag 2019 auf dem Hauptfriedhof in Dortmund im Wind und erinnerten an ebenso viele Opfer  die meisten von ihnen sowjetische Kriegsgefangene. Beteiligt an der Volksbund-Aktion waren Schülerinnen und Schüler, Kirchentags-Besucher, der Volksbund-Nachwuchs und eine Volkshochschule. Ein gutes Beispiel für "Volkstrauertag mal anders."

Mit Aktionen wie dieser ist es in Dortmund gelungen, generationenübergreifend Interesse an dem Gedenktag im November zu wecken – auch bei denen, die sonst eher nicht an Volksbund-Veranstaltungen teilnehmen. 2019 waren mehr als 300 Jugendliche und Erwachsene dabei, die damit ein Zeichen gegen Hass und Hetze und für Frieden und Versöhnung setzten.

Die Aktion Friedensbänder hatte zuvor weite Kreise gezogen und ungezählte Akteure über Monate mit eingebunden – angefangen beim Pfingsttreffen des Bundesjugendarbeitskreises bis zum Volkstrauertag. Im Fokus: das Gedenken auch und vor allem an Kriegsgefangene.

Gräberfeld für sowjetische Kriegstote


Auf dem Hauptfriedhof in Dortmund ist das Gräberfeld zu finden, auf dem sowjetische Kriegstote – meist anonym – bestattet sind. Ziel war es, ihnen ihre Namen zurückzugeben und bei der zentralen Gedenkstunde am Volkstrauertag ein starkes Zeichen zu setzen. Das ist allen Beteiligten rund um die beiden Hauptakteure Verena Effgen und Ingolf Jost gelungen. Verena Effgen ist hauptamtliche Bildungsreferentin des Volksbundes für den Bezirk Arnsberg, Ingolf Jost ist ehrenamtlicher Geschäftsführer des Kreisverbandes Siegen-Wittgenstein.

Als klar war, dass der Deutsche Evangelische Kirchentag 2019 mit dem Jahrestag des Überfalls auf die Sowjetunion (22. Juni) zusammenfallen würde, war die Idee geboren: individuelles Gedenken als Mitmach-Aktion. Für jedes Opfer sollte ein weißes Band mit Namen und – wenn möglich – Alter beschriftet werden. Meterlang sollten die Leinen werden, die die Gräber überspannen würden.

Den Anfang machte die Jugendorganisation des Volksbundes: Beim Pfingsttreffen der Jugendarbeitskreise 2019 in der Jugendbegegnungs- und Bildungsstätte im niederländischen Ysselsteyn schnitten rund 100 Teilnehmende die Bänder zurecht und beschrifteten die ersten. Beim Kirchentag in Dortmund beteilig­ten sich am Stand des Volksbundes so viele an der Aktion, dass danach rund 1.500 Bänder Namen trugen.

Lange Schlange am Kirchentagsstand


„Es gab ständig eine Riesenschlange“, berich­tet Verena Effgen. „Eine Frau, deren Vater in Russland vermisst ist, hat allein etwa 50 Bänder beschriftet.“ Und sie kam am nächsten Tag wieder, um das Volksbund-Projekt „Kriegsbiographien“ mit Material ihres Vaters zu unterstützen. Manche Bänder trugen auch deutsche Namen, wenn Angehörige auf diese Weise an Kriegstote aus ihrer Familie erinnern wollten.

Die Mitmach-Aktion ergänzte der Volksbund mit seiner Wanderausstellung „Krieg und Menschenrechte“, die auch das Schicksal eines in Dortmund inhaftierten Kriegsgefangenen nachzeichnet: Der Zwangsarbeiter Alexej Pavlovskij war Weihnachten 1943 auf der Flucht erschossen worden.

Weitere Partner für diese Aktion fand Verena Effgen in der Volkshochschule Dortmund und in der Europaschule direkt neben dem Hauptfriedhof. Sie ist dem Volksbund seit 2015 durch eine Bildungspartnerschaft verbunden – auch über das Namensziegelprojekt, das inzwischen dauerhaft Spuren auf dem sowjetischen Gräberfeld hinterlassen hat. Nach den Herbstferien 2020 wird wieder eine Klasse Namensziegel herstellen.

Friedensgebet am Tag des Überfalls auf die Sowjetunion


Zum ersten Mal waren die Friedensbänder am 22. Juni 2019 auf dem Hauptfriedhof zu sehen – am Jahrestag des Überfalls auf die Sowjetunion bei einem Friedensgebet mit sieben Stationen. 5.095 Bänder wehten schließlich an derselben Stelle bei der zentralen Gedenkverstanstaltung zum Volkstrauertag im November des vergangenen Jahres.

Zum Volkstrauertag 2020 sind aktuell 150 Gäste eingeladen. Die Europaschule, die Förderschule "Schule am Marsbruch" und die Volkshochschule Dortmund gestalten die Gedenkstunde mit.

Weitere Informationen gibt Verena Effgen.

Hintergrund:


Der Volkstrauertag wurde auf Vorschlag des 1919 gegründeten Volksbundes Deutsche
Kriegsgräberfürsorge als Gedenktag für die Kriegstoten des Ersten Weltkrieges eingeführt. Dieser Tag
sollte ein Zeichen der Solidarität derjenigen, die keinen Verlust zu beklagen hatten, mit den
Hinterbliebenen der Gefallenen sein. Heute ist es die wichtigste Veranstaltung des Volksbundes. Bundesweit lädt er an unzähligen Orten zum Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewalt weltweit ein. Material zur Gestaltung von Gedenkstunden und weitere Informationen finden Sie hier

Der Volksbund ist ein gemeinnütziger Verein, der seine Arbeit vor allem aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen finanziert. Aktuell läuft bundesweit die Haus- und Straßensammlung. Parallel dazu ist eine digitale Spendendose im Umlauf. Auch die Aktion Vergissmeinnicht steht im Zeichen des Volkstrauertages.

Christiane Deuse
Redakteurin
+49 (0) 561-7009-281