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Blumen als Symbole der Erinnerung
Vergissmeinnicht, Mohn- und Kornblume: Blüten stehen für das Gedenken an Kriegstote weltweit
13. Oktober 2020

Blüten sind meist zart, schön und vergänglich und vielleicht sind sie gerade deshalb in vielen Ländern Symbol für das Gedenken an die Toten der Kriege. In Deutschland ist es das Vergissmeinnicht, im englischsprachigen Raum die Mohnblume, in Frankreich die Kornblume. Dass der Volksbund zum Volkstrauertag im November einen Gedenkkranz mit Blüten bestückt, ist nicht nur dekorativ, sondern hat einen tieferen Sinn.

Blumen sind auch ein Zeichen der Hoffnung: Der Klatschmohn ("Poppy") etwa wurde auch deshalb zum Gedenksymbol der Commonwealth-Staaten von Kanada bis Neuseeland, weil seine Saat auf Soldatengräbern des Ersten Weltkrieges als erste aufging. Der Kanadier John McCrea beschrieb sie in seinem Gedicht "In Flanders Fields" nach dem Tod seines Freundes auf dem Schlachtfeld und bereitete der roten Blüte damit den Weg zum international bekannten Symbol. Weltweit sind Blüten – künstlich oder natürlich, detailgetreu oder stilisiert – in den verschiedensten Facetten zu unterschiedlichsten Anlässen des Gedenkens zu finden.

In Frankreich steht „le Bleuet de France“ („Kornblume Frankreichs“) für die lebendige Erinnerung an die ungezählten Toten der Kriege, vor allem des Ersten und Zweiten Weltkrieges. Nach 1918 erinnerte die Kornblume zunächst übrigens auch in Deutschland an die gefallenen Soldaten. Vor allem ultranationalistische Kreise bedienten sich dieses Symbols.

Das ist Vergangenheit. Lange schon ist hierzulande das Vergissmeinnicht die Gedenkblume. Die kleinen blauen Blüten stehen für die lebendige Erinnerung und den liebevollen Abschied. In vielen Sprachen tragen sie einen Namen mit gleicher Bedeutung, so im Englischen "Forget me not". Die „blaue Blume“ ist auch ein bekanntes Motiv in der deutschen Romantik, wo sie unter anderem für das Streben nach Idealen steht – und für die Vergeblichkeit menschlicher Suche nach dem vollständigen Glück.

Viele junge Kriegsfreiwillige romantisierten und verklärten zu Anfang des Ersten Weltkrieges die persönliche Aufopferung für das Vaterland. In Unkenntnis der damals modernen Waffen und ihrer Vernichtungskraft starben sie zu Tausenden. Das Vergissmeinnicht als Gedenkblume steht im Kontrast zum gnadenlosen Massensterben in beiden Weltkriegen, ja in Kriegen überhaupt.

Gedenkkranz als Zeichen der Versöhnung


Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge hat das Vergissmeinnicht mit seinem Logo, den fünf Kreuzen in der Mitte, kombiniert. Zu sehen ist es vor allem an den stillen Gedenktagen – Volkstrauertag, Allerheiligen, Totensonntag – und bei besonderen Anlässen wie Gedenkveranstaltungen auf Friedhöfen. Bei der Zentralen Gedenkstunde am Volkstrauertag (15. November) zum Beispiel werden es viele Teilnehmende als Anstecker tragen. Und in Gravelotte zierte es vor kurzem Holzkreuze auf einem frisch angelegten Grab. Dort sind die Gebeine von sechs vermutlich preußischen Soldaten aus dem Krieg 1870/71 eingebettet worden.

Zum Volkstrauertag stellt der Volksbund in Berlin einen Stahlkranz auf, den 1.000 metallene Vergissmeinnicht und Mohnblumen schmücken. Denn 2020 stehen 75 Jahre deutsch-britisches Gedenken bei diesem Anlass im Mittelpunkt. Mit der Versöhnung ehemals verfeindeter Nationen verbindet der Volksbund als gemeinnütziger Verein diese „blühende" Spendenaktion.  

 

Aktion „Vergissmeinnicht"


Helfen Sie dem Volksbund, in diesem besonderen Jahr das Gedenken und die Erinnerung 75 Jahre nach Kriegsende öffentlich zu machen. Sie können die Aktion mit einer Spende und dem Hinweis „Vergissmeinnicht" unterstützen – per Überweisung, Bankeinzug oder telefonisch. In Ihrem Namen schraubt der Volksbund dann symbolisch eine Blüte an den Kranz.

Online informiert der Volksbund in den kommenden Wochen regelmäßig über Neuigkeiten zur Aktion „Vergissmeinnicht"Mehr Informationen zu Spenden und Mitgliedschaft finden Sie unter www.volksbund.de/helfen.

    

„Sag mir, wo die Blumen sind" in drei Sprachen


Die Aktion "Vergissmeinnicht" wird auch musikalisch begleitet: Die in Großbritannien lebende Mezzosopranistin Patricia Hammond hat den Song "Sag mir, wo die Blumen sind" – begleitet von Matt Redman – dafür dreisprachig eingespielt: auf deutsch, englisch und französisch.

Geschrieben hat den Anti-Kriegs-Song "Where have all the flowers gone" der US-amerikanische Komponist Pete Seeger 1955. Bekannt gemacht haben ihn eine Reihe von Interpreten, allen voran Marlene Dietrich – 1962 bei einer UNICEF-Gala – , aber auch Hildegard Knef, die US-amerikanische Sängerin Joan Baez, Udo Lindenberg und viele andere.

Christiane Deuse
Redakteurin
+49 (0) 561-7009-281