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Volkstrauertag muss bleiben und sich ändern

Diskussion über seine Bedeutung heute – Tagung in Rostock zu nationalen Gedenktagen

Welche Bedeutung hat der Volkstrauertag 100 Jahre nach der ersten nationalen Gedenkveranstaltung dieser Art am 5. März 1922? Bei einer Podiumsdiskussion ging es um Gestaltung und Rituale, um Gedenkorte und die Frage, wie die Akzeptanz in der Bevölkerung gestärkt werden kann. Eine Tagung in Rostock bot den Rahmen.


Auf Einladung des Volksbund-Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern und der Konrad-Adenauer-Stiftung diskutierten Vertreter von Volksbund, Stiftung, Bundeswehr und eine Vertreterin der Kirche. Thema der Tagung im alten Schifffahrtsmuseum: „Nationale Gedenktage im Vergleich – 100 Jahre Volkstrauertag“.
 

„Auf tote Rituale verzichten“

„Der Volkstrauertag ist unheimlich wichtig“, sagte Wolfgang Wieland, Vizepräsident des Volksbundes. Die Zentrale Gedenkstunde im Bundestag mit sämtlichen Staatsorganen – vom Volksbund organisiert – sei eine sehr förmliche und sehr gute Veranstaltung.

Mit Blick auf den Gedenktag bundesweit plädierte Wieland dafür, ihn an jedem Ort phantasievoll zu gestalten und auf alte, gar „tote“ Rituale zu verzichten, die junge Leute heute eher abstoßen statt anziehen. Wo sich seit Jahrzehnten nichts im Ablauf geändert hat, „da geht kein Jugendlicher fröhlich hin“. Sein Appell: junge Leute noch mehr einbeziehen und ihnen bei der Gestaltung mehr Verantwortung übertragen.

„Königsweg führt über die Schule“

„Es gibt so viele Gedenktage. Wie kann man da heraustreten und überraschen, ohne dem Volkstrauertag die Ernsthaftigkeit, die Würde zu nehmen?“, fragte Dr. Michael Borchard, Politikwissenschaftler der Konrad-Adenauer-Stiftung. Zweierlei sei nötig für Akzeptanz eines Ereignisses: dass Emotionen angesprochen werden und dass klar wird, was es mit dem eigenen Leben zu tun hat.

Borchard plädierte dafür, junge Leute über „ihre“ Kanäle wie „TikTok“ oder „Twitch“ anzusprechen, und ist überzeugt: „Der Königsweg in die Herzen und Hirne führt über die Schule“. Der Volkstrauertag sei vielleicht nötiger denn je und habe gerade jetzt gute Chancen, mit neuen Inhalten gefüllt zu werden.

Begriffe neu klären

„Nur Gedenktage könnten kollektives Gedenken schaffen“, sagte Claudia Schophuis. Sie arbeitet bei der katholischen Militärseelsorge Kiel und ist Mitglied im Volksbund-Landesvorstand Mecklenburg-Vorpommern. „Wir brauchen sie, um uns zu erinnern, um einzuordnen. Würde im Tod erlangt man nur, wenn sich später jemand erinnert.“

Sie forderte, Begriffe wie „Schuld“ und „Würde“ neu zu klären. Damit würden auch andere Perspektiven sichtbar – eine „Chance für Gedenktage“, sagte sie.

Von Einsatz- und Totengedenken

Für die Bundeswehr legte Konteradmiral Axel Deertz den Fokus auf Soldatinnen und Soldaten, die in jüngerer Vergangenheit ums Leben gekommen sind oder körperlich wie psychisch Schaden genommen haben und unter den Folgen dauerhaft leiden. Auch mit Blick auf sie sei das „Einsatzgedenken“ entstanden, so der Chef des Stabes des deutschen Marinekommandos Rostock. Es ist die – noch nicht sehr bekannte – Alternative zum „Totengedenken“, das nicht nur am Volkstrauertag verlesen wird.

Deertz rückte zwei Gedenkorte in den Fokus: Den „Wald der Erinnerung“ in Schwielowsee bei Potsdam – für nichtöffentliches und namentliches Erinnern an im Auslandseinsatz verstorbene Soldatinnen und Soldaten – und das Ehrenmal der Bundeswehr im Verteidigungsministerium Berlin, das allen zugänglich ist. Ein zentraler Friedhof für Gefallene der Bundeswehr sei nicht nötig, sagte Deertz. Es sei richtig, dass sie auf den Heimatfriedhöfen beerdigt werden, dass der Tod „zurück in das Private geht“.
 

Blick auf Schulklassen

Thema war auch die wachsende Zahl von Schulkindern mit Migrationshintergrund – multinationale Schulklassen und verschiedenen Glaubensrichtungen. Wie gelingt es da, Gedenkkultur und einen nationalen Gedenktag wie den Volkstrauertag näher zu bringen? Wolfgang Wieland verwies auf die Workcamps, die der Volksbund seit fast 70 Jahren anbietet.

„Ein Anknüpfungspunkt kann die eigene Geschichte, die eigene Familie sein“, gab Claudia Schophuis ihre Erfahrungen wieder. Damit sei es leichter, die hier übliche Form des Erinnerns verständlich zu machen. Voneinander lernen sei wichtig, betonte Michael Borchard, und sprach von Transferleistungen in alle Richtungen.
 

Nachbarländer im Fokus

Moderator Dr. Dirk Reitz, Geschäftsführer des Volksbund-Landesverbandes Sachsen, zog am Ende dieses Fazit: Der Volkstrauertag muss bleiben, aber er muss sich ändern, wenn er weiterhin als nationaler Gedenktag anerkannt bleiben soll. Karsten Richter, sein Kollege aus Mecklenburg-Vorpommern, dankte den Diskussionsteilnehmern. Er hatte sie und das Publikum begrüßt. 

Am zweiten Tag der Tagung ging der Blick über die Grenzen: Referenten aus Großbritannien, Polen, Frankreich und den Niederlanden stellten nationale Gedenktage in ihrer Heimat vor und Dirk Reitz sprach über den Volkstrauertag im Wandel der Zeit. Mehr dazu lesen Sie hier:
Schweigen in Großbritannien, Volksfest in den Niederlanden

Außerdem: Interview mit Dr. Michael Borchard zur Erinnerungskultur in Deutschland
 

Volkstrauertag aktuell

In diesem Jahr fällt er auf den 13. November. Die Zentrale Gedenkstunde im Plenarsaal des Deutschen Bundestages unter Schirmherrschaft der Bundestagspräsidentin beginnt um 13.30 Uhr und wird im ZDF, auf Phoenix und im Parlamentsfernsehen live übertragen.

Der Volksbund stellt über das Gedenkportal umfangreiches Material zur Vorbereitung einer Veranstaltung zur Verfügung. Dazu gehört auch das Geleitwort von Präsident Wolfgang Schneiderhan und Hörfunk-PR.

Einen Rückblick auf den Volkstrauertag bis zum 5. März 1922 finden Sie hier:
„Unsere Welt hat die Liebe not“
 

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