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Die kleinen Kniffe eines großen Sammlers

Unterwegs mit Jürgen Damm, Hessens langjährigem Rekordhalter bei der Haus- und Straßensammlung

Der Schritt ist langsam, aber zielstrebig, die Stimme ist laut und fröhlich: „Ich bin der Jürgen Damm und ich sammle für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge!“ In dem Sprüchlein, das der 83-Jährige seit 25 Jahren an unzähligen Haustüren aufsagt, liegt so viel Überzeugung, dass kaum ein Zweifel daran möglich ist: Hier geht es um eine gute Sache. Das ist einer der kleinen Kniffe, die den Oberst a.D. zum erfolgreichsten Sammler Hessens machen. Das ist er seit vielen Jahren.
 

Wir sind unterwegs im Wohngebiet „Feldflosse“ im nordhessischen Bad Arolsen, im Stadtteil Mengeringhausen. Vor allem Einfamilienhäuser stehen hier, vielleicht 50, 60 Jahre alt. Jürgen Damm klingelt an der ersten Tür und tritt zwei Schritte zurück. Das ist Kniff Nummer zwei: nicht direkt vor der Nase stehen, ein bisschen Distanz lassen und Raum geben, wenn jemand öffnet.

Die Tür geht auf und die Distanz ist schnell überwunden, man kennt sich. Horst-Dieter Fix-Hansmann zückt sofort das Portemonnaie, die ersten zehn Euro stehen auf der Liste. „Sie unterstützen damit den Frieden in der Welt“, sagt Jürgen Damm. Das weiß der frühere Geschichtslehrer. Er kennt den Volksbund: „Er ist ganz wichtig, weil er jedes Jahr an die schrecklichen Taten des Nationalsozialismus erinnert und dazu beiträgt, dass so etwas nie wieder passiert.“

Jürgen Damm hakt ein: „Unser Engagement ist nicht rückwärts-, sondern vorwärtsgewandt. Jungen Menschen müssen wir zeigen, was das bedeutet – der Zweite Weltkrieg – und was das heute noch heißt.“ Dabei gehe es nicht nur um die Gräber von Soldaten, sondern auch von Kriegsgefangenen, Zwangsarbeiterinnen, ihren Kindern.

Und beide erinnern sich an ihre Schulzeit: Jürgen Damm daran, dass er als Sechsjähriger zu Gott gebetet hat, der Krieg möge noch andauern – damit auch er „Pimpf“ werden kann. Und der Mann an der Haustür daran, dass ihm als Schüler der Nationalsozialismus als „Unfall der Geschichte“ verkauft wurde. „Aber das war kein Unfall“, sagt er.
 

Aufstocken am Volkstrauertag

Die nächste Haustür. Auch hier ein Wiedererkennen. Holger Versloot ist dasselbe wichtig wie dem Oberst a.D.: Ihm zufolge leistet der Volksbund einen wichtigen Beitrag gerade für junge Leute. Er hat nur Kleingeld parat, will aber am Volkstrauertag aufstocken. Man glaubt ihm sofort, dass ihm das wichtig ist.

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Die nächste Tür bleibt verschlossen. Die übernächste wird geöffnet, aber auf das Sprüchlein folgt ein „Nein“. „Das ist ganz wichtig: ein Nein zu akzeptieren, kein trauriges Gesicht zu machen. Dann danke ich trotzdem herzlich und wünsche noch einen schönen Tag“, sagt Jürgen Damm. Das ist Kniff Nummer drei.

„Hallo, alles klar!“ heißt es ein paar Meter weiter, als das Sprüchlein ein weiteres Mal aufgesagt ist. Warum er für den Volksbund spendet, beantwortet Gerhard Michaeli so:

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Elf weitere Ehrenämter

Das ist vielleicht der wichtigste Schlüssel zum Erfolg: der Bekanntheitsgrad. Jürgen Damm lebt seit seinem vierten Lebensjahr in Bad Arolsen, wenn auch mit Unterbrechungen. Ab 1979 war er Batallionskommandeur der Kaserne in Mengeringhausen. Seit 25 Jahren ist er Volksbund-Mitglied, war stellvertretender Vorsitzender in Kassel auf Stadt- und Landkreisebene. Seit 2013 ist er Ehrenvorsitzender des Landesverbandes Hessen.

Und: Der 83-Jährige hat noch elf weitere Ehrenämter außerhalb des Volksbundes, engagiert sich unter anderem sehr für die Integration behinderter Menschen. Auch das macht bekannt. Und die meisten, die Jürgen Damm kennen, spenden gerne.


Zeitung hat Wirkung

Fürs Bekanntsein hat er allerdings auch selbst wieder gesorgt in diesem Herbst: Anfang September hatte er der „Waldeckischen Landeszeitung“, der örtlichen Lokalpresse, Text und Foto geschickt und damit angekündigt, dass er wieder unterwegs sein wird. „Wenn’s in der Zeitung steht, hat das Wirkung“, sagt er. Nämlich die, dass sein Besuch erwartet wird und womöglich ein Schein schon bereit liegt. Und auch das Foto dazu ist wichtig – nicht aus Eitelkeit, sondern für den Wiedererkennungswert: „Ach, der ist das. Das Gesicht habe ich schon mal gesehen.“

Den eigenen Bekanntheitsgrad kann jeder nutzen, der den Volksbund unterstützen möchte, meint Jürgen Damm: Mitglieder, Freunde und Förderer. „Wenn jede und jeder nur einmal seine Straße hoch- und runtergeht, vielleicht noch einmal um die Ecke und ein paar Häuser weiter – wieviel würde das bringen!“ Das ist halb Wunsch und halb Aufforderung, weil die Volksbundarbeit – vor allem sein friedenspädagogisches Wirken – ihm so sehr am Herzen liegt.

„Heute wichtiger denn je!“

Es ist die erste von zwei Touren durch das Wohngebiet „Feldflosse“, die jetzt an einer letzten Haustür zu Ende geht. Auch hier entsteht ein Gespräch darüber, wie wichtig die Volksbund-Arbeit gerade für junge Menschen ist. „Die Geschichte darf nicht vergessen werden“, sagt Marion Manneck. Sie hat vier Jahrzehnte beim Internationalen Suchdienst in Bad Arolsen – heute Arolsen Archives – gearbeitet und dazu beigetragen, die Erinnerung an die Opfer des Holocaust wachzuhalten.

Gerade mit Blick auf Rassismus, Hass und Hetze ergänzt sie: „Die Erinnerung ist heute wichtiger denn je!“ Zur Geschichte stehen, sich der Verantwortung bewusst sein, ohne sich schuldig zu fühlen – diese Auffassung teilen der Sammler und die Spenderin. Ein kurzes Gespräch über Afghanistan entsteht, über Soldatinnen und Soldaten, die den Einsatz mit ihrem Leben bezahlt haben, und über die, die traumatisiert zurückgekehrt sind. Und schon reicht das Thema Soldatengräber bis in die Gegenwart. Dann ist Schluss für heute.
 

Rekordverdächtig im Corona-Jahr

60 Euro sind zusammengekommen bei dieser Tour. 100 sind eigentlich das Ziel bei jedem Mal, aber mit uns im Schlepptau hat alles länger gedauert. Etliche Touren hat Jürgen Damm schon hinter sich, weitere folgen noch – 20 werden es vielleicht insgesamt sein auch in diesem Herbst.

Im Corona-Jahr 2020, in dem vielerorts die Sammlung ausgefallen ist, hat Jürgen Damm eins seiner besten Ergebnisse erzielt: 2.341 Euro standen am Ende auf seinen Listen, kamen der Volksbund-Arbeit dank seines Engagements zugute. Der Dank des Volksbund-Präsidenten an alle, die in diesen Wochen wieder unterwegs sind, dürfte auch und besonders Sammlerinnen und Sammlern gelten, wie er einer ist.

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