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Den Schmerz in Gemeinschaft ertragen

Gedenken am Volkstrauertag auf dem Jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee, am Bundeswehr-Ehrenmal und in der Gedächtniskirche

Die Botschaft ging in mehrere Richtungen und war an ganz unterschiedlichen Orten zu vernehmen: Der Schmerz, die Trauer um die Kriegstoten ist in der Gemeinschaft leichter zu ertragen – oder sollte es sein, wie Pfarrerin Oxen in ihrer Predigt in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche betonte. Von der Kirche, vom jüdischen Friedhof Weißensee und vom Bundeswehr-Ehrenmal ging diese Botschaft aus.
 

Volksbund-Präsident am Ehrenmal

Die Opfer des Afghanistan-Einsatzes und die Lehren aus dem Rückzug – das waren die zentralen Themen am Ehrenmal der Bundeswehr am Sonntagvormittag. Die scheidende Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hatte Vertreter der Bundeswehr und der Zivilgesellschaft, vor allem aber die Angehörigen der Soldaten eingeladen, die im vergangenen Jahr im Auslandseinsatz gefallenen sind.

„Es ist ein Tag, an dem Sie wahrscheinlich Ihren Schmerz, Ihre Wut, Ihre Ohnmacht herausschreien möchten“, sagte die Ministerin zu den Angehörigen, die auf dem weitläufigen Areal des Verteidigungsministeriums zwischen Stauffenberg- und Hildebrandtstraße vor dem Quader des Ehrenmals standen. In Anwesenheit des Regierenden Bürgermeisters aus Berlin, Michael Müller (SPD), versprach Kramp-Karrenbauer: „Wir können Ihnen hier eine Gemeinschaft geben, die Ihnen hilft, den Schmerz zu ertragen.“


„Haben begonnen, Lektion zu lernen“

Seit dem Beginn der Bundeswehr-Mission in Afghanistan fielen 59 Bundeswehr-Soldaten in Gefechten, bei Anschlägen und Unfällen, zehn allein seit dem vergangenen Volkstrauertag. „Wir sind stolz auf die und ehren ihr Andenken“, sagte die Verteidigungsministerin. Für diese oftmals sehr jungen Opfer legten acht Vertreter, darunter auch Volksbund-Präsident Wolfgang Schneiderhan, Kränze am Ehrenmal nieder.

Dabei wurde die Verteidigungsministerin auch politisch mit Blick auf den Einsatz der Alliierten in Afghanistan: „Wir haben begonnen, die Lektion der Vergangenheit zu lernen.“ Der diplomatische Einsatz, so Kramp-Karrenbauer, gehe in Kabul und anderswo weiter. Dabei gedenke man auch der 13 in Kabul gefallenen U.S.-Soldaten, die bei der Evakuierung aus der afghanischen Hauptstadt starben.

Text: Harald John

Weißensee: Gefallen für ihr Vaterland

Eine starke Gemeinschaft gedachte auf dem Jüdischen Friedhof in Weißensee der über 12.000 deutschen Soldaten, die im Ersten Weltkrieg für ihr Vaterland gestorben waren. Reinhold Robbe, Honorarkonsul und ehemalige Wehrbeauftragter, betonte, dass es keine Selbstverständlichkeit sei, eine Gedenkfeier auf einem jüdischen Friedhof mit einer Ehrenformation der Bundeswehr abzuhalten.

Diese Gedenkfeier stehe für das gute Zusammenwirken zwischen der Jüdischen Gemeinde in Deutschland und den Streitkräften der Bundeswehr, so Robbe weiter. Dass es seit diesem Jahr einen Militärbundesrabbiner der Bundeswehr gibt, ist dafür ebenfalls ein Zeichen. Zsolt Balla war erstmals bei dieser Zeremonie am frühen Morgen des Volkstrauertages dabei.

Reinhold Robbe dankte dem Volksbund für seine Arbeit, für die Suche nach Kriegsgräbern aller Opfergruppen und ihre Pflege. Ein Großaufgebot an Sicherheitskräften zum Schutz der Veranstaltung zeigte, welche Bedrohung Antisemitismus, Vorurteile und Hass mehr als 75 Jahre nach dem Ende des Holocaust in Deutschland wieder sind. Reinhold Robbe erinnerte auch daran, dass viele der jüdischen Kriegstoten Träger von Orden und Auszeichnungen waren. Dies widerspreche den Vorurteilen und dem verzerrten Bild, das die Nationalsozialisten später von ihnen zeichneten.

Text: Diane Tempel-Bornett

Gedächtniskirche: Wo Gemeinschaft fehlt

Gemeinschaft, die Leid nicht verhinderte und auch nicht tragen half - davon erzählte Pfarrerin Kathrin Oxen in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in ihrer Predigt. Von zwei Gräbern in einem Dorf in Mecklenburg, von dem 17-jährigen polnischen Zwangsarbeiter Alwin Molender und dem Wehrmachtssoldaten Heinrich Hoffmann.

Der jüngere wurde öffentlich gehenkt, weil er ein Glas Marmelade gestohlen hatte, der ältere kehrte zurück aus dem Krieg und pflegte das Grab des Jungen bis an sein Lebensende 2011. Zeit seines Lebens kam er nicht darüber hinweg, dass die Dorfgemeinschaft diesen Mord nicht verhindert hatte und ihn auch nach Kriegsende nicht als Unrecht empfand.
 

Das Erbe annehmen

"Uns geht es wie Heinrich Hoffmann", sagte die Pfarrerin. "Wir konnten es nicht verhindern, aber wir haben es nicht vergessen und wir pflegen ihre Gräber." Und sie rief dazu auf, sich bewusst zu machen, dass sich jede und jeder heute für das Gute und gegen das Böse entscheiden und das eigene Handeln danach ausrichten kann.

Dass und warum sich der Volksbund auf seinen Kriegsgräberstätten im Ausland sowohl um die Gräber von Opfern als auch die von Tätern kümmert, erklärte Dr. Fritz Felgentreu in einem Grußwort. "Wir müssen das Erbe in seiner Gesamtheit annehmen und können nicht die positiven Seiten herausgreifen", sagte der Volksbund-Landesvorsitzende. Es gehe darum, anzuerkennen, dass laut Grundgesetz jedem ein würdiges Grab zusteht. Damit sei nicht ehrendes Gedenken gemeint, wie es in anderen Ländern üblich und möglich ist. Wichtig für die Kriegsgräberfürsorge sei es, diese Gräber immer auch als Mahnmale zu verstehen.

Text: Christiane Deuse 

Im Mittelpunkt stand am Volkstrauertag die Zentrale Gedenkveranstaltung des Volksbundes im Deutschen Bundestag. Schon am Vortag hatte der Volksbund der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft an verschiedenen Orten gedacht. Berichte dazu finden Sie hier.

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