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Sophie Scholl: „Ihr Mut strahlt hell“

Volksbund-Präsident würdigt die Widerstandskämpferin zu ihrem 100. Geburtstag 

An diesem Sonntag, 9. Mai,  jährt sich zum 100. Mal der Geburtstag von Sophie Scholl. Mit ihrem Bruder Hans, mit Christoph Probst und anderen Mitstreitern bildete sie die Münchner Widerstandsgruppe „Weiße Rose“. Volksbund-Präsident Wolfgang Schneiderhan hat im Rahmen der Erinnerungsfeiern, die in Scholls schwäbischem Heimatort Forchtenberg stattfinden, ein Grußwort beigesteuert.

Es ist eine ikonographische Szene, ein Bild, das jeder bei der Nennung des Namens Sophie Scholl vor Augen hat: eine junge Frau im Lichthof der Münchner Universität, Flugblätter fallen von oben herab. Kurze Zeit später wird die 21-Jährige von Hörsaaldiener Jakob Schmid, einem SA-Mann, gepackt. Sie kommt in Arrest, wird von den Nazis am 22. Februar 1943 mit ihrem Bruder Hans Scholl mit dem Fallbeil hingerichtet.

Rund 200 Schulen und 600 Straßen sind in Deutschland nach ihr benannt. Und nun ist Sophie Scholl auch in einer Instagram-Serie zu sehen. An vielen Orten bundesweit wird an diesem Wochenende der Geschwister Scholl und der anderen Jugendlichen der „Weißen Rose“ gedacht, auch in ihrem Heimatort Forchtenberg am Kocher (Hohenlohe). Am Festakt nimmt auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann teil. Außerdem haben in 100 Grußworten zum 100. Geburtstag von Sophie Scholl 100 Menschen Antworten gesucht.

Volksbund-Präsident Wolfgang Schneiderhan legt in seinem Grußwort (siehe unten) den Akzent darauf, dass Sophie Scholl eine ganz normale junge Frau war, keine glattgefeilte Heldin, wie sie als Marmorbüste in der Walhalla bei Regensburg steht: „Sie engagierte sich jahrelang begeistert in der Hitlerjugend, verliebte sich mit 17 eher unglücklich, haderte buchstäblich mit Gott und der Welt und war sich über ihre berufliche Zukunft nicht im Klaren.“ Sie sei „ein Kind ihrer Zeit gewesen“ und doch bereit, weiter zu gehen, als viele andere Menschen. Schneiderhan, der auch Vorsitzender der Stauffenberg-Gesellschaft ist, urteilt angesichts des Risikos, dass die junge Frau einging: „Ihr Mut strahlt hell.“
 

@ichbinsophiescholl

Während in Forchtenberg und anderen Orten der Republik der Geschwister Scholl klassisch gedacht wird, hat in den Sozialen Medien ein besonderes Experiment begonnen. Unter dem Slogan „Stell Dir vor es ist 1942 auf Instagram“ soll die Geschichte der 21-jährigen Widerstandskämpferin mit Videos und Fotos auf dem Account @ichbinsophiescholl bis Februar 2022 nacherzählt werden. Die Schauspielerin Luna Wedler schlüpft dazu in die Rolle der Sophie Scholl. Zu sehen sind die letzten zehn Monate der damals in Ulm lebenden jungen Frau – bis zu ihrer Verhaftung in München.

Während viele das Instagram-Experiment mit Interesse beachten, schreibt der Hauptstadtjournalist Gabor Steingart: „Der Gedanke jedenfalls, dass eine Widerstandskämpferin ihr Innerstes auf Instagram nach außen kehrt und sich in gedanklicher Freizügigkeit ihren Häschern präsentiert, ist zumindest naiv.“ Sein Urteil: „Wahrscheinlich hätte eine heutige Sophie Scholl Instagram nicht benutzt, sondern ignoriert.“ 100 Jahre nach ihrer Geburt wird sie unverändert verehrt und vereinnahmt.

Text: Harald John
 

Harald John Abteilungsleiter Öffentlichkeitsarbeit

Grußwort Wolfgang Schneiderhan

zur Aktion Denkstätte Weiße Rose Forchtenberg

Was ist eigentlich geschehen? Einige wenige Personen, darunter als einzige Frau Sophie Scholl, haben ein paar tausend Flugblätter gedruckt, wahllos mit der Post verschickt oder an verschiedenen Orten abgelegt. Und das sollte ein Regime erschüttern, das halb Europa besetzt hielt, das Millionen Soldaten unter Waffen und zigtausende Polizisten und Geheimpolizisten zur Verfügung hatte?
 
Man hätte die Aktionen der Weißen Rose im Deutschland des Jahres 1943 für eine Lappalie halten können. Noch saß die Führung des „Dritten Reiches“ fest im Sattel. Dennoch schlug der nationalsozialistische Repressionsapparat mit aller Härte zurück. Die 21-jährige Studentin Sophie Scholl wurde gemeinsam mit ihrem Bruder Hans sowie Christoph Probst vom Volksgerichtshof im Februar 1943 zum Tode verurteilt und am selben Tag hingerichtet. Drei weitere Justizmorde erfolgten im April 1943 (Kurt Huber, Willi Graf und Alexander Schmorell).

Es ist schon erstaunlich, dass der nationalsozialistische Staat mehr Angst vor wenigen jungen Menschen hatte, als diese vor ihm. Aber es zeigt die Macht der Wahrheit und des Wortes. Die Nazis versuchten, die Wahrheit zu unterdrücken und zu überschreien. Am Tag der Hinrichtung der Geschwister Scholl in München versammelte der Reichspropagandaminister Joseph Goebbels in Berlin eine Auswahl von Gefolgsleuten im Berliner Sportpalast und ließ sie den „totalen Krieg“ bejubeln.

Die Niederlage von Stalingrad war da gerade wenige Tage alt und hatte den Widerständlern der Weißen Rose recht gegeben: „Hitler kann den Krieg nicht gewinnen, nur noch verlängern“, schrieben sie in ihrem fünften und vorletzten Flugblatt.

Sophie Scholl war keine Oppositionelle von Geburt an. Sie war eine ganz normale junge Frau, sie engagierte sich jahrelang begeistert in der Hitlerjugend, verliebte sich mit 17 eher unglücklich, haderte buchstäblich mit Gott und der Welt und war sich über ihre berufliche Zukunft nicht im Klaren. 

Sophie Scholl war keine geborene Heldin – und gerade das macht sie zu einer solchen. Sie ist ein Vorbild über die Generationen hinweg. Sie war ein Kind ihrer Zeit, aber ihre Botschaft ist zeitlos: Man muss nicht als Superwoman auf die Welt gekommen sein, um für menschliche Werte und die Wahrheit einzustehen. Nicht jeder schafft es, so weit zu gehen wie Sophie Scholl und ihre Freundinnen und Freunde es taten. Sie wussten, welches Risiko für ihr eigenes Leben sie eingingen. Dieser Mut strahlt hell. 

Bei uns droht heute glücklicherweise niemandem das Henkersbeil, wenn er oder sie sich gegen Rassismus, Faschismus und die Diskriminierung anderer einsetzt. Und damit das so bleibt, muss man sich engagieren. Das Tun von Sophie Scholl weist den Weg, ihr schreckliches Schicksal zeigt, was auf dem Spiel steht. Je mehr Menschen sich wie Sophie Scholl einbringen, desto geringer wird die Gefahr von Totalitarismus, Rassismus und Krieg für uns alle. 

Sophie Scholl würde am 9. Mai 2021 100 Jahre alt. Aber der 9. Mai ist nicht nur ihr Geburtstag. Er war 1945 auch der erste Tag nach dem Krieg, der Tag, an dem der Nationalsozialismus endgültig besiegt war und zumindest in Teilen Deutschlands und Europas die Demokratie eine Wiedergeburt erfahren konnte. Der 9. Mai 1950 war, mit der Schuman-Deklaration, das Datum, aus dem die heutige Europäische Union entstanden ist. Im fünften Flugblatt von Sophie Scholl und ihren Freunden heißt es – geradezu prophetisch: „Nur in großzügiger Zusammenarbeit der europäischen Völker kann der Boden geschaffen werden, auf welchem ein neuer Aufbau möglich sein wird.“ 

So traurig und betroffen wir über den Henkerstod von Sophie Scholl und ihren Freunden sind, so sehr können wir doch ihren Geburtstag, den 9. Mai, feiern – als den Tag, an dem sich in den Jahren nach ihrem Tod ihr Wünschen und Wollen erfüllt hat. Sophie Scholl, ihr Bruder und ihre Freunde haben den Widerstand gegen das NS-Regime mit dem Leben bezahlt. Aber letztendlich haben sie und ihre Ideen triumphiert. 

Wolfgang Schneiderhan, Präsident des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge

(Die 100 Grußworte als gedrucktes Zeitdokument zum 100. Geburtstag von Sophie Scholl gibt es im Rathaus Forchtenberg.)

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