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"Stille Nacht" bricht den Bann

Erinnerungen aus schwerer Zeit: Weihnachtsfeier in einem Lazarett 1943 mit und ohne braune Uniformen

Beklemmend ist die Szenerie, die Oda Gräfin Thun-Hohenstein in unserer dritten Folge im Advent schildert – leise Töne leisten Widerstand und brechen schließlich den Bann. Die Geschichte entstammt einem Erinnerungsband von Clemens Freiherr von Fürstenberg, Schwiegersohn des in Plötzensee hingerichteten Widerstandskämpfers Ferdinand Freiherr von Lüninck. Elisabeth von Heereman hat sie entdeckt und uns zugesandt. Die Geschichte trägt den Titel „Stille Nacht“.
 

„Weihnachten 1943. In einem Lazarett für Amputierte versah ich meinen Dienst als Rotkreuzschwester. Trotz dauernder Luftangriffe herrschte eine fast freudige, vorweihnachtliche Stimmung. Unsere Patienten, die größtenteils noch ohne helfende Prothesen mit ihrem Schicksal rangen, schien ein Schein jenes Friedens in den Gesichtern geschrieben, der gewiß nicht von außen kam – es war der Friede der Weihnacht, des Glaubens an das Gute.
 

Hilfe aus dem Stadtrat

Ich war beauftragt, die Weihnachtsfeier vorzubereiten. Es war mir gelungen, Kräfte des Stadtrats zu finden, die sich selbstlos in diesen Stunden mit uns um die Gestaltung des Festes bemühen wollten.

Es gab für uns nur eine Meinung, diesen Männern, die so weit von ihren Frauen, Müttern und Kindern ein schweres Leid zu tragen hatten, es so warmherzig und heimatlich zu machen, wie eben möglich. Weitgehend wirkten sie mit bei den Vorbereitungen und waren in diesen Stunden mit uns Helfern eine große Familie.
 

Befehl ändert alles

Aber wir hatten uns getäuscht. Wenige Stunden vor Beginn unserer Weihnachtsfeier kam der Befehl des Gauleiters, eine nationalsozialistische Frauengruppe habe die Feier zu übernehmen. Gedichte seien von ihr zusammengestellt, jede Initiative unserer Seite sei ausgeschaltet. So erschienen sie also, eine geschlossene Gruppe mit Singkreis, an ihrer Spitze der Gauleiter und manche braune Uniform.

Unsere Soldaten saßen an langen Tischen, ihre fehlenden Glieder, ihre armen verstümmelten Körper boten jetzt wieder nur ein Bild des Leidens. Der frohe, erwartungsvolle Schein, der manches schmerzdurchfurchte Gesicht beseelt hatte, war verschwunden. Sie waren eine organisierte, zusammengeschlossene 'Gruppe', der jetzt 'von oben' eine Weihnachtsfeier geboten wurde.
 

Wunsch bleibt ungehört

Es gab eine große Rede des Gauleiters, Gedichte vom Julfest und Wintersonnenwende, Lieder von Tannen und Sternen, aber es war kein Reflex der Freude zu bemerken. Allzu bekannt war dieses – und allzu unbeliebt!! Wir versuchten, die Singgruppen umzustimmen, einige alte Weihnachtslieder zu bringen. Achselzucken und nur ein ironisches Lächeln war die Antwort.

Nach einem geschwollenen Gedicht, das von einer fanatischen Frauenstimme zitiert wurde, war eine kleine Pause – es sollte wohl jetzt dem Kaffee und Kuchen zu Leibe gehen. Aber niemand rührte sich.
 

Feier mit Totenstille

Der Gauleiter, ein hochgewachsener, äußerst gepflegter Mann zwischen all den Krüppeln, beharrte steif auf seinen Ehrenplatz. Selten habe ich so eine Totenstille auf einer Feier erlebt, es war eine fast unerträgliche Spannung.

Da sah ich, er saß mit gegenüber, einen der Ärmsten der Armen. Es fehlte ihm ein Bein und der rechte Arm. Unbeholfen steckte er die linke Hand in die Tasche seiner Uniform und zog eine kleine Mundharmonika heraus. Ganz leise intonierte er das Lied 'Stille Nacht'.

Es war als würden die Wände des Raumes gesprengt. Es war Weihnachten geworden. Still und ohne Abschied ging der Gauleiter mit seinen Leuten aus dem Saal.“

Text: Oda Thun


Für einen neuen Band „Weihnachten in schwerer Zeit“  sammeln wir Erinnerungen und freuen uns über Zuschriften per Mail an redaktion@volksbund.de oder per Post an Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Abt. Öffentlichkeitsarbeit/Redaktion, Sonnenallee 1, 34266 Niestetal. Die Geschichte zum zweiten Advent finden Sie hier.
 

Musik im Advent für Sie

Mit Weihnachtsliedern und -videos möchten wir Ihnen eine Freude machen. „Stille Nacht, heilige Nacht“ hat das Musikorps der Bundeswehr aus Siegburg unter der Leitung von Christoph Scheibling für Sie als Musikvideo intoniert – in der Bonner Kreuzkirche zusammen mit @BIGGEsang. Außerdem verschicken wir die CD „Friedliche Weihnachten“ gerne (auf Bestellung ab Montag), solange der Vorrat reicht. Und auch auf der CD „Musik für den Frieden“ sind einige Weihnachtslieder zu finden.

Schmücken Sie mit uns den Baum

Für Frieden und Versöhnung steht der Volksbund. Zu rund zwei Dritteln finanziert er seine Arbeit aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen. Schmücken Sie mit uns online einen Weihnachtsbaum. Ganz gleich, wieviel Ihre Kugel wert ist – ob fünf oder 50 Euro: Sie zeigt, dass Sie sich mit uns für eine friedliche Zukunft einsetzen. Dafür danken wir sehr.

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