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„Unsere schönste Kriegsweihnacht“

Erinnerungen aus schwerer Zeit: Erzählung von 1944 und Aufruf für neue Publikation

Alles schon da im Überfluss? Keine Idee mehr, was man zu Weihnachten noch schenken kann? Wie sehr sich Kinder über ein einziges Spielzeug freuten, wie tapfer Eltern ihnen ein möglichst ungetrübtes Weihnachtsfest bescherten, wie wichtig kleine Gesten der Freundschaft und Liebe sein konnten – daran erinnern sich Zeitzeugen, die in der Kriegs- und Nachkriegszeit Kinder waren. Weihnachtsgeschichten aus schwerer Zeit sammeln wir für ein neues Buch und stellen an den Adventswochenenden jeweils eine ausgewählte vor.
 

Mit „Unsere schönste Kriegsweihnacht“ sind die Erinnerungen von Walburga Giesser überschrieben, die der Volksbund in dem Buch „Weihnachtsgeschichten aus schwerer Zeit“ veröffentlicht hat (Band 6, S. 206ff):
 

Beschwerlicher Besuch daheim

„Wir schrieben das Jahr 1944, also Kriegszeit. Da machte sich meine Mutter nach langer Zeit mal wieder auf den Weg und nahm schwere Strapazen auf sich, um ihre Eltern zu besuchen. Sie lebten so etwa 25 Kilometer entfernt und bewirtschafteten eine kleine Landwirtschaft; es waren ihrer zwölf Geschwister. Davon sind zwei Brüder im Krieg gefallen.

Zuerst musste sie eine halbe Stunde zum Bahnhof laufen, um mit dem Bummelzug 13 Kilometer zu fahren. Von dort aus ging es zu Fuß bergauf, weiter durch Wald und Feld, der Heimat entgegen, nochmals so neun Kilometer.


Eier, Butter, Speck und Brot

Die Freude war ja groß, nach langer Zeit wieder bei den Eltern daheim zu sein. Es gab viel zu erzählen, aber sie musste sich beeilen, um vor der Dunkelheit zu Hause zu sein. Als sich der Abschied näherte, hatte ihre Mutter allerhand für uns eingepackt. Eier, Butter, Speck und Brot, sie wusste ja, dass vier hungrige Mäuler und der Mann unruhig auf sie warteten.

Mein Vater lag zu der Zeit zweieinhalb Jahre eingegipst im Bett, von der Hüfte bis zum großen Zeh, denn sein Knie sollte versteift werden. Er war damals 43 Jahre alt. Da kann man sich vorstellen, wie knapp das Geld und das Essen waren.

Überglücklich und vollbepackt trat meine Mutter den langen und beschwerlichen Heimweg an und freute sich, dass wir für kurze Zeit wieder alle richtig satt werden sollten. Als sie dann müde und erschöpft in den Zug stieg, kam sie mit einer Frau aus Nürnberg ins Gespräch. Meine Mutter erzählte ihr auch, wo sie herkam.
 

Leere Hände, das Herz so schwer

Die Frau sah sehr traurig und niedergeschlagen aus und erzählte, dass sie bei ihren Verwandten gewesen war, um zu hamstern (betteln), denn sie habe einen kranken Mann zu Hause und hoffte, etwas Essbares für ihn zu bekommen. Leider wurde sie abgewiesen und musste schweren Herzens und mit leeren Händen die Rückreise antreten.

 

Als meine Mutter diese Geschichte hörte, gab sie ohne zu zögern Eier, Butter, Speck und Brot an die Frau ab, obwohl wir es selber notwendig gebraucht hätten. Diese konnte vor lauter Freude nicht begreifen, wie ihr geschah.
 

Gedankt mit großem Paket

Kurz bevor meine Mutter ausstieg, sagte die Frau: „Das werde ich Ihnen nie vergessen!“ Kurz vor Weihnachten kam dann ein großes Paket mit der Post, und was kam zum Vorschein? Eine wunderschöne große Puppe mit einem ganz hübschen Kleid. Meine Mutter versteckte sie sofort unter ihrem Bett, denn es sollte ja eine große Überraschung fürs Fest werden. Meine Schwester und ich hatten sie aber bald entdeckt und spielten schon heimlich mit ihr. Das war das schönste Weihnachtsfest unserer ganzen Kindheit.

Meine Mutter hat sich dann ganz herzlich bei dieser Frau für das wunderbare Geschenk bedankt. Leider hat sie nichts mehr von ihr gehört. Ob sie bei den Fliegerangriffen ums Leben kam? Denn Nürnberg wurde schwer bombardiert und beschossen und alles lag in Schutt und Asche.“
 

Wenn auch Sie eine Geschichte beisteuern können für einen neuen Band „Weihnachten in schwerer Zeit“, freuen wir uns, wenn Sie sie per Mail an redaktion@volksbund.de schicken oder per Post an Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Abt. Öffentlichkeitsarbeit/Redaktion, Sonnenallee 1, 34266 Niestetal. Dank sagen wir allen, die uns schon Erinnerungen zugesandt haben. Die weiteren Adventsgeschichten finden Sie hier.

 

Hören Sie ...

... auch Erinnerungen zum Ersten Advent von Fryderyk Tegler: „Weihnachten fällt nicht aus“ – gelesen und illustriert hier in der Volksbund-Mediathek

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